Investitionen in und mit Nachhaltigkeit

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Severin Renold

Thema

Investitionen und Nachhaltigkeit

Anlegen mit gutem Gewissen

Am Alkohol scheiden sich bekanntlich die Geister. Der eine verachtet ihn als die schlimmste legale Droge überhaupt, der andere sieht ihn als Kulturgut – immerhin gibt es gerade in Deutschland Abertausende von Brauern, Winzern und Schnapsbrennern, die ihrem Handwerk seit Generationen nachgehen, übrigens auch in der Schweiz mit über 1000 Biersorten. Zudem sind alkoholische Getränke in weiten Teilen der Welt fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Andererseits: Wenn wegen der Nebenwirkungen des Alkohols Familien zerbrechen und Existenzen zugrunde gehen, handeln dann Menschen, die mit Alkohol Geld verdienen, ethisch und tun sie der Gesellschaft auf lange Sicht etwas Gutes?

 

Mindestens ebenso diffizil wird es bei der Frage, ob es ethisch ist, wenn für Medikamente, die Menschen heilen, Tiere sterben müssen. Die Liste dieser Sinnfragen liesse sich problemlos fortsetzen. Jede Frage für sich verweist auf das Dilemma, dass alles, was als gut, sinnvoll und nachhaltig angesehen werden kann, auch seine Schattenseite hat.

 

Für Anleger, die nachhaltig anlegen wollen, heisst das in erster Linie, dass sie zunächst einmal in sich gehen müssen, um herauszufinden, was ihnen persönlich wichtig ist. Denn jeder Mensch ist anders, jeder hat bestimmte Werte, nach denen er lebt und folglich auch investieren will. Das heisst konsequenterweise auch, dass Anleger, die nach bestimmten Prinzipien anlegen wollen, auch flexibel sein müssen. So flog etwa der Pharmakonzern Bayer im Jahr 2006 aus vielen Fonds katholischer Banken. Denn damals übernahm der Leverkusener Konzern mit Schering einen der grössten deutschen Hersteller der Antibabypille – aus katholischer Sicht ein Sündenfall. Auch hier gibt es jede Menge Unternehmen, die sich unter dem Blickwinkel bestimmter Anlagephilosophien vom Paulus wieder zum Saulus zurückverwandelt haben. Nachfolgend soll also ein Auszug aus dem Kosmos der nachhaltigen Geldanlagen dargestellt werden.

 

 

Nicht von der Substanz leben

Doch zunächst einmal zum Begriff Nachhaltigkeit selbst. Im Grunde bedeutet nachhaltig nichts anderes, als nicht von der Substanz zu leben. Der Begriff wurde vor gut 300 Jahren von Hans Carl von Carlowitz, einem sächsischen Beamten, geprägt. Er verfasste das erste umfassende Werk zur Forstwirtschaft und kam dabei zum Schluss, dass es sinnvoll ist, nur so viel Holz aus den Wäldern zu schlagen, wie auch nachwachsen kann.

 

Vor allem in den vergangenen 30 Jahren hat der Begriff ausserhalb der Forstwirtschaft Karriere gemacht. Heute wird Nachhaltigkeit gern synonym mit den ESG Kriterien verwendet (Environment, Social, Governance). Nach dieser Lesart steht Nachhaltigkeit für vieles, was umwelt- oder sozialverträglich ist oder als gute Unternehmensführung bezeichnet werden kann. Der letzte Punkt bedeutet konkret, dass Korruption geächtet ist und Staaten und Unternehmen darauf achten, langfristig erfolgreich zu wirtschaften, auch wenn das vorallem für Firmen bedeutet, kurzfristige Gewinne auch mal liegen zu lassen.

 

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Weniger Rendite? Von wegen!

Anders als Kritiker einwenden mögen, ist das, was als nachhaltig bezeichnet wird – sofern es konsequent verfolgt wird -, keineswegs weltfremder Idealismus, sondern getrieben von handfesten wirtschaftlichen Interessen. Im Klartext: Wer nach bestimmten Kriterien der Nachhaltigkeit handelt – ob nun sozial, ökologisch oder ethisch motiviert -, muss zumindest auf mittlere und lange Sicht keine Abstriche beim Gewinn machen. Das belegen viele Untersuchungen.

 

Die meisten Studien kommen zu dem Ergebnis, dass nachhaltige Geldanlagen bei gleichem Risiko ebenso viel Rendite bringen wie Konventionelle – wenn nicht sogar mehr, sagt Professor Alexander Bassen, Mitglied des Nachhaltigkeitsrats der Bundesregierung. Forscher der Uni Kassel haben bereits 2014 nachhaltige und konventionelle Fonds derselben Fondgesellschaft verglichen. Ihr Ergebnis: In der Regel lagen die nachhaltigen Produkte vorn. «Es ist ein Ammenmärchen, dass Nachhaltigkeit Rendite kostet», sagt denn auch Studienleiter Christian Klein.

 

Bei der Auswahl gibt es kaum noch Einschränkungen. Nachhaltige Anlageprodukte, ob nun im Gewand von Fonds oder Anleihen, haben sich im Laufe der Jahre entwickelt wie Bio-Lebensmittel. Während biologisch erzeugte Lebensmittel vor 20 Jahren nur im Reformhaus und Naturkostladen erhältlich waren, gibt es sie inzwischen in jedem Supermarkt. In den Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts gab es nachhaltige Investments in Deutschland und der Schweiz praktisch nicht. Erst Mitte 1996 kam mit dem Öko-Vision Classic der erste Aktienfonds für Privatanleger auf den Markt, der bei seinen Investments auch ökologische und ethische Aspekte berücksichtigte.

 

Laut der Ratingagentur Scope können deutsche Anleger derzeit aus weit über 400 Investmentfonds wählen, die Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen. Etwa 100 Fonds sind seit 2015 dazugekommen. Und keiner dieser Fonds ist wie der andere; Es gibt neben Fonds die weitgefasste Anlageregeln haben oder ganze Industrien ausschliessen, auch Themenfonds, die nur einzelne Branchen berücksichtigen – etwa Wasserfonds.

 

Nachhaltigkeit liegt im Trend: Das Volumen der nachhaltigen Investments steigt weltweit. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind laut des Forums Nachhaltige Geldanlagen inzwischen rund 419.5 Milliarden Euro auf diese Weise angelegt, rund 29% mehr als Ende 2016. Was nach einer grossen Summe klingt, stellt aber nur ein Zwanzigstel des Gesamtmarkts dar.

 

 

Reine Lehre oder Klassenbeste?

Viele Anleger orientieren sich offenbar an einer Portfoliotheorie, nach der die Rendite sinkt, je kleiner das Anlage Universum wird. Und je strenger und vielfältiger die Ausschlusskriterien sind, desto kleiner wird es auch. Vertreter der reinen Lehre wie Thomas Jorberg, Chef der sozial-ökologischen GLS Bank, ficht das nicht an. Wer langfristig Geld anlegen will, fahre mit strengen Kriterien besser. Sein Lieblingsbeispiel sind fossile Energien wie Öl, Kohle und Gas: «2050 werden diese Energieträger knapp, wer hier heute als Langfristinvestor anlegt, befindet sich offenbar im Tiefschlaf.» Für Anleger, die nicht ganz so dogmatisch vorgehen wollen oder ihr Anlage Universum etwas grösser halten möchten, gibt es den Investmentansatz «best in class». Hier wird grundsätzlich keine Branche ausgeschlossen, sondern nur in Unternehmen investiert, die unter bestimmten Aspekten am besten sind.

 

Ein weiteres Problem: Der Begriff «nachhaltig» ist nicht geschützt. Deshalb gibt es eine ständige Debatte darüber, was nachhaltig ist – und was nicht. Zwar gibt es längst spezialisierte Ratingagenturen, die sind aber beileibe nicht überall und uneingeschränkt anerkannt. Zu diesen gehören Imug, Oekom Research, RobecoSAM, Sustainalytics und Vigeo Eiris. Sie nutzen neben wirtschaftlichen Daten auch Informationen über Umwelt und Sozialstandards sowie Unternehmensführung. Um für Anleger mehr Transparenz zu schaffen, arbeitet die EU-Kommission an einheitlichen Standards. Ob und wann diese kommen und inwieweit sie Anlegern tatsächlich bei der Orientierung helfen können, ist aber noch offen.

 

Wahrscheinlich bleibt es dabei, dass jeder, der nachhaltig anlegen will, sich zuerst mal darüber klar werden sollte, was er genau will. Und dann muss er nochmals genau hinschauen, ob das Investment hält, was es verspricht.

Zukunft der Arbeit

Autor | Quellen

Severin Renold

McKinsey, Roland Berger und mehr

Thema

Arbeit & Arbeitsplatz

Büro als sozialer Raum

Mit der Arbeit verändert sich auch der Arbeitsplatz. Aber wie sieht das Büro der Zukunft aus? Immer essenzieller werden Begegnung, Austausch und Community-Building. Die Räume müssen etwas über die eigene Marke erzählen, das Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber verkaufen. Denn an vielen Arbeitsplätzen steigt der Leistungsdruck, die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmen für viele Menschen zunehmend. Deshalb muss die Arbeit Spass machen. Büros und Kollaborationsstrukturen wirken da kulturprägend für Unternehmen. Sie bieten den Mitarbeitern Heimat und Identifikation, sorgen so für Motivation und emotionale Bindung. Kostenlose Bio-Mahlzeiten in der Kantine, Zuschuss fürs Fitnessstudio, Lounge-Landschaften mit Wohlfühlatmosphäre – wie ein Einblick in die Arbeitswelt von Silicon Valley zeigt: Die Kreativität bei der Arbeitsplatzgestaltung kennt kaum Grenzen. Mitarbeiter sind aus ihrem privaten Umfeld gewohnt, dass viele Dinge auf Knopfdruck funktionieren. Da darf es am Arbeitsplatz nicht weniger digital zugehen.

 

Open Office

 

Wellness und Werte im «War for talents»

 

Laut einer Forsa-Studie des Industrieverbands Büro und Arbeitswelt bevorzugen zwar viele Arbeitnehmer in Deutschland und in der Schweiz weiterhin ein praktisches und funktionales Arbeitsumfeld. Jedoch wünschen sich vor allem junge Menschen unter 35 ein modernes und gemütliches Ambiente am Arbeitsplatz. Ausserdem: Social Enterprises – zu Deutsch soziale Unternehmen – sind bei Millennials immer begehrter. Sie wollen sich beim Aufbau eines Unternehmens von der Pike auf engagieren, alle Bereiche durchdringen, sich in der Gestaltung ausleben. Wenn sich damit noch gutes Geld verdienen lässt, umso besser.

 

Und doch ist Geld nicht alles. Gegen Player wie Google oder Facebook habe ein Unternehmen bei den Gehältern keine Chance, so tönt es bei den meisten Befragten. Salesforce bemüht sich daher um anderes: Zum Beispiel um eine gleichwertige Bezahlung; Mitarbeiter erhalten zudem sieben bezahlte Tage pro Jahr frei für soziales Engagement. Das Motto des etwa 20’000 Mitarbeiter starken Unternehmens: Lieber während des Arbeitslebens regelmässig etwas an die Gesellschaft zurückgeben und die eigenen Technologien für den guten Zweck einsetzen, als jahrelang Top-Gehälter zu scheffeln und kein Privatleben zu haben. Das kommt an. Viele Menschen arbeiten seit mehr als zehn Jahren bei dem Cloud-Anbieter – ungewöhnlich im schnelllebigen Silicon Valley. Ähnliches wird vom Twitter Mitgründer Biz Stone berichtet: Seit man die Absichten des Social-Network Unternehmens neu definiert hat, sind auch die Mitarbeiter wieder top motiviert. Wer jetzt im Unternehmen sei, der sei auch bewusst dabei.

 

Denn der Markt wandelt sich (nicht nur im Konsumverhalten wie in unserem früheren Blog beschrieben). Die Unternehmen werden immer häufiger zum Bewerber, müssen für begehrte Talente attraktiv werden. Plattformen wie LinkedIn machen es sich zur Aufgabe, für jeden Menschen weltweit ökonomische Chancen zu schaffen. Sie ermöglichen Bewerbern etwa Gehaltsvergleiche, damit diese gut vorbereitet im Vorstellungsgespräch auftreten. Zudem werben Headhunter gezielt Arbeitnehmer über die Plattform ab. Ungerecht für Unternehmen? Mitnichten. Denn wer sich über LinkedIn abwerben lässt, wäre sowieso irgendwann gegangen. Man beschleunigt lediglich den Prozess. Unternehmen haben ihrerseits die Möglichkeit, schneller passende Talente zu finden.

 

Auch innerhalb von Unternehmen gibt es zunehmend Bewegung. Bei Salesforce entwickelte sich aus einem Impuls der Mitarbeiter eine Art interner Jobmarkt, auf dem regelmässig die Arbeit in Einzelprojekten verteilt wird. Mitarbeiter haben so die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, aber auch persönliche Belange wie Elternzeit zwischen einzelnen Projekten einzuplanen. Abläufe werden so effizienter und flexibler. Die lebenslange geradlinige Karriere mit vorgefertigten Stufen wird zum Auslaufmodell. Menschen wollen ihren Geist erweitern und in verschiedenen Teilen eines Unternehmens arbeiten.

 

Co-Working

 

Wer lernt, der bleibt

Ein Report des Weltwirschaftsforum und der Boston Consutling Group von Januar 2018 offenbart: Etwa eine Million US-Amerikaner verlieren ihre Jobs bis 2026 und müssen neue Fähigkeiten erlernen, um einen ähnlich bezahlten Job zu finden. Das McKinsey Global Institute schätzt, 2030 müssen bis zu 800 Millionen Menschen weltweit ihren Job an die Konkurrenz der intelligenten oder irgendwie besseren, jedenfalls billigeren Maschine übergeben. 33.5 Milliarden Euro investierten deutsche Unternehmen 2016 in die Weiterbildung der Mitarbeiter, um sie fit für die Digitalisierung zu machen. Dabei setzten sie immer stärker auf digitale Lernformate (siehe auch unseren Blog über Digitalisierung im Bildungswesen), wie die aktuelle Weiterbildungserhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt. Tendenz steigend. Heute im Fokus: Personen sollen neues Wissen sinnvoll und nachhaltig einsetzen können. E-Learning und Präsenzstudien verschmelzen zum sogenannten Blended Learning.

 

Im Silicon Valley ist dieser Trend bereits verinnerlicht. Angebote wie LinkedIn Learning bieten Unternehmen die Möglichkeit, ihren Mitarbeitern gezielte Weiterbildungsangebote zur Verfügung zu stellen. Salesforce hat mit Trailhead eine frei verfügbare Lernplattform ins Leben gerufen. Beim Bewerbungsgespräch haben eventuelle Lernerfolge auf dieser Plattform bereits mehr Gewicht, als der Name der Universität, die ein Bewerber besucht hat. Ausserdem: Lernen muss es der Generation Y besonders Spass machen. Mit Challenges und Ranglisten wird auch das lebenslange Lernen zum Spiel.

Der Sensation Seeker

Autor | Quelle

Bruno Roeder

 

Thema

Digitalisierung und Verhaltensforschung

Tägliche Jagd nach dem Reiz!

Was tun, wenn Sensation Seeker im Netz auf keine „normalen“ Ads, Storytellings und Contents mehr reagieren, da ihnen diese zu langweilig und zu wenig „spannend“ erscheinen? Ist dieses Phänomen auf dem Weg in die Digitalisierung oder auf dem schmalen Grat zwischen Innovation, Mut und Wissen über die kognitive Informationsverarbeitung im Zeitalter der Digitalisierung nicht unbedingt zu beachten?

 

“Hallo, Anina Wullschläger, am Apparat” – ihre Stimme am Telefon klingt wie ein ungebügelter Schlafanzug: zerknittert, müde, gelangweilt.

 

Der Anrufer, ein geborener Verkäufer und Enthusiast, der seine davor schon gewonnenen „grandiosen Leads“ schon feierte lässt sich davon nicht beirren:

 

Eine Werbung mit wichtigem Inhalt, haben wir geschaltet… „Ist das nicht herrlich, liebe Frau, ein Geschenk für Sie gar, eine Bereicherung im Dschungel der vielen Optionen, welche Sie im Netz finden?“

 

„An keine Ad kann ich mich erinnern. Wie und warum auch? Ich lösche fast alles sofort, klicke es weg, damit ich meinem eigentlichen Vorhaben im Netz widmen kann. Nein, Herr Anrufer, an Ihren komischen Newsticker, Ad, LinkedIn Nachricht oder was auch immer erinnere ich mich schon gar überhaupt nicht, denn fremde Newsletter langweilen mich noch mehr als irgendwelche Banner, welche mir ständig über den Bildschirm laufen!

 

Anina Wullschläger, dies gilt es zu wissen, liest nämlich nur dann und schaut nur dann mit aufgeregten Äuglein irgendwo hin, wenn ihr Erregungsniveau bereits genügend aufgepeitscht ist. Schon nach dem Aufstehen in Herrgottsfrühe geht sie auf Jagd nach den ersten Sinneseindrücken: iPhone, iPad, Radio, Facebook, LinkedIn, Mails, Chats, Television – Wow! Es ist noch nicht 8 Uhr und die gute Dame hat schon eine Überdosis Sinnesreize intus.

 

Übel gelaunt und frustriert von der Miesepetrigkeit dieser saturierten Welt, betritt sie dann ihr Büro und öffnet ihre übervolle Agenda auf ihrem DELL: Meeting, Meeting, Meeting, Meeting – Mittag – langes Meeting – Feierabend. Dann löscht sie rasant fast alle ihrer verfluchten Eingangs-Mails, ausser jedoch es taucht eines in tizianrot auf oder eines ohne rechtem Inhalt aber als nervöses Bewegtbild, ein hektisches Bildsammelsurium in short-time-Schnittintervallen, – das macht sie an; und später hockt sie dann – bewaffnet mit iPhone, iPad und drei privaten Smartphones in zähen Meetings. In diesen geht es um Programmatic Buying, Microtrageting, Influencermarketing und um eine dicke Ladung Content für die neu eingekauften Consumer-Adressen, die irgendwie ihren „Zielgruppen“ entsprechen sollten. Das langweilt Frau Wullschläger jeden Tag mehr, das frustriert sie aufs Blut, doch die Rettung bis zum ersehnten „Nachhaltigem Essen“ zu Mittag sind ihre mobilen „Grätli“ (Geräte) auf denen es im Minutentakt vibriert, halbstumm surrt, blinkt, schnarrt, aufpoppt; ihre „Grätli“ mit den neuesten, knallbunten Emojis umklammert sie eisern, ihre „Grätli“ mit tiefdunklen News über das systematische Absaufen vieler Marken ohne jeglichen US- und UAP.

 

Reizüberflutung

 

Anina Wullschläger ist ein Sensation Seeker! Eine „Online-Identität“, das nach Reizen jagt. Sie sucht mit einem „geringen initialen Erregungsniveau eher aufregende Reize“. Sie sucht in ihrem analog-digitalen Leben ständig neue Reize, um „den gewünschten Pegel ihrer Stimulierung halten zu können“. Sie rangiert auf der sogenannten „Sensation Seeking Scale“ auf dem NISS-Rang, der bereits als „leicht pathologische Reizsucht“ bezeichnet werden darf.

 

Ihr kontinuierliches „Thrill Seeking“ übersetzt sie in ihr privates und berufliches Leben mit Vollgas: Lebensgefährliche Sprünge aus Sportflugzeugen, Tiefseetauchen an den allertiefsten Stellen des pazifischen Ozeans, fünf Mal Urlaub im Jahr, 24-Stunden-Trips um die Erdkugel nach Tokio, Shoppingexzesse in Dubai und Muscat.

 

12 – 21Jährige, die zu einem Youtube- oder TikTok Rock auf den Tischen in ihren Klassenzimmern grölen. „Geil“ sei dieses Video, „geile Pics“ und „geile Musik“: 26‘000 Kids haben es bereits angesehen, drei haben es geliked. Immerhin.

 

Frau Wullschläger hörte den Begriff Sensation Seeking leider noch nie. Hätte sie jemals den Begriff Sensation Seeking wirklich auf den unzähligen „MarketingBAMMS“ studieren und hören können, dann wüsste sie über seinen Begründer, Marvin Zuckerman, bescheid. Ein grossartiger Forscher, ein US-Amerikaner, der klug handelnden Konzernen und Firmen zu Milliarden Umsätzen verholfen hat. Marvin Zuckerman, der sich mit dem Menschen beschäftigt, seinen Persönlichkeitsmerkmalen, der das tat, was viele Marketingleute tun müssten: den Konsumenten in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen und nicht Trends, Hypes oder technologische Machbarkeiten für Leute, die Unternehmen zwar als „Zielgruppe“ bezeichnen, sie aber gar nicht aus ihrem veränderten Verhalten heraus kennen.

 

Was das Credo, das markenrelvante Ergebnis von Zuckerman also, für echte Markenexperten ist?

 

Der Mensch sucht immer nach Sinneseindrücken. Er läuft ihnen auch hinterher. Die Digitalisierung schuf und schafft ein Katapult von Reizen, die sich mit den Reizen der analogen Welt (andere Reizstrukturen) mischen, kreuzen. Marken sollten physiologische Sinneseindrücke vermitteln. Doch Achtung: dadurch, dass wir ständig Reizen ausgesetzt sind, sollte die Marke jetzt gerade nicht schnell, rasant, bunt, grell dem Konsumenten begegnen, sondern ihn, dem ausgefeimten Sensation Seeker, in seinem Urgefühl (Archaik) treffen: übrigens, genau deshalb funktionieren Katzenvideos so gut, sie sind „unaufgeregt, ruhig, erzeugen Beschützerinstinkte, wecken Geborgenheitsgefühle und Kindheitserinnerungen (Urgefühle)“ (vgl. P. Hammelstein, ein Schüler Zuckermans).

 

Die Umkehrung der Thrill-Strategie tut also den Marken gut und die könnte in der Digitalkommunikation so aussehen: Zunächst Grundhaltung und Stimmung hunderttausender Online-Identitäten im Netz erspüren, er-horchen (Identity Listening). Sie, die Konsumenten, dann mit Bild und Text, in welchen Markenbotschaften sanft eingewoben sind, in ihren Urgefühlen berühren. Das Ergebnis, von Zuckerman, Hammelstein oder R.H. Hoyle bewiesen, ist purer, erlesener Markenerfolg: Der Sensation Seeker, reizüberdrüssig, wendet sich – ernst genommen in seiner unterschiedlichen Stimmung – der Marke zu, nimmt sie leichtfüssig wahr, beginnt sich für sie zu interessieren und ist geneigt sie zu kaufen.

 

Falls diese Wissensvermittlung Ihr persönliches „Sensation Seeking“ gestillt hat und Sie nun mit uns gemeinsam über den digitalen Tellerrand schauen möchten, dann senden Sie uns doch gerne eine Nachricht…

 

Frau in Digitalwelt

Anlagejahr 2020

Autor | Quelle

Severin Renold

Interview Ray Dalio WEF 2020

Thema

Finanzmarkt & Anlagen

Breite Diversifikation für den Erfolg 2020 (Stand Januar)

 

NOTE –> Auf Grund der aktuellen Entwicklung des Weltwirtschaftsgeschehens besteht eine komplett neue Faktenlage. Nicht zu Letzt COVID-19 brachte Feuer in eine sich anbahnende Wirtschaftskrise, welche in vorangehenden Blogs bereits ausführlich thematisiert wurde. Der untenstehende Blog, wurde im Januar 2020 verfasst, weshalb  gewisse Positionierungen und Aussagen nun nicht mehr akkurat sind. Trotzdem wird der Artikel so veröffentlicht, um die Möglichkeit zu bieten, Vergleiche zu ziehen und in einem späteren Blog eine angepasste Position einnehmen zu können mit dem Blick auf die Märkte und rückblickend auf die Zeit vor der Epidemie.

 

Blog

Erst vor wenigen Wochen hat das neue Börsenjahr wieder begonnen und viele Anleger stellen sich nun die Frage, wie sie ihr Portfolio im neuen Jahr positionieren sollen. Schlagzeilen über eine bevorstehende wirtschaftliche Abkühlung oder den geopolitischen Spannungen, die noch nicht abschliessend geklärt sind, dürften Anleger weiterhin beschäftigen. Diverse Makroökonomen erwarten nach einer Annäherung im Handelsstreit zwischen China und den USA, sowie dem reduzierten Risiko eines ungeordneten Brexit, dass sich das Wachstum spätestens per Mitte Jahr erholen kann. Renditechancen dürften sich also auch im neuen Jahr ergeben – insbesondere bei einer sorgfältigen Diversifikation und Selektion der Investments. Dem gegenüber steht die Meinung vieler Experten eines sich anbahnenden Kollapses, wodurch verstärkt wieder die Flucht in Gold beobachtet werden konnte. Im nachfolgenden Szenario beleuchten wir zunächst die Variante einer konjunkturellen Stabilisierung.

 

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Positive Stimmung im Markt

Grundsätzlich setzen die jüngsten Konjunkturdaten durchweg positive Impulse. Man kann davon ausgehen, dass der globale Abschwung allmählich in eine positive Gegenbewegung übergeht. Auf der Risikoseite bleiben viele der geopolitischen Themen bestehen, trotz optimistischer Grundstimmung. Eine expansivere Geldpolitik der Notenbanken begünstigt auch 2020 Aktienanlagen. Da die bedeutenden Zentralbanken in den nächsten Monaten ihre Gelschleusen weit geöffnet halten, bleiben die kurzfristigen Zinsen auch 2020 ausserordentlich tief und stimulieren daher das Wirtschaftswachstum. Daraus schliessend sollten die grossen Industrieländer im nächsten Jahr weiterhin bei noch moderaten Inflationsraten wachsen. Insofern aus dem Blickwinkel der USA die Teuerung in der zweiten Jahreshälfte zunehmen wird, so gestaltet die amerikanische Notenbank (FED) wiederum eine restriktivere Geldpolitik. Eine sich wiederholende Zinssenkung wie im Jahr 2019, ist dabei aber eher unwahrscheinlich. Die Geldpolitik und Rahmenbedingungen der Zentralbanken stösst an ihre Grenzen, weshalb verstärkt fiskalpolitisch stimuliert werden muss.

 

Kalkulationen

 

Auf der Suche nach Rendite

Mittlerweile sind nahezu alle Anlageklassen hoch bewertet, nicht selten sogar auf einem Rekordhoch. Dies gestaltet die Vermögensallokation besonders herausfordernd. Gemäss Analysten kann von Obligationen im Jahr 2020 kein nennenswerter Performancebeitrag erwartet werden. Ein ausgewogenes Portfolio wird im besten Fall mittlere einstellige Renditen abwerfen. Obligationen dienen mit wenigen Ausnahmen rein als Puffer gegen Kursrückschläge bei Aktien. Die Gewinnerwartungen bei den Aktien sind aktuell ziemlich hoch und das Potenzial nach oben entsprechend limitiert. Die höhere Volatilität der Märkte wird sich speziell auf die Aktienmärkte auswirken, weswegen diversifizierten Anlagen wie Immobilien und Gold wie zuvor bereits erwähnt, eine besondere Bedeutung zukommt. Mit einer Ausschüttungsrendite von bis zu 3% sind Immobilienfonds der Schweiz nach wie vor eine interessante Beimischungsvariante. Gold alleine aus dem Grundsatz der negativen Korrelation mit klassischen Anlageklassen, nicht zu Letzt wie zuvor angedeutet, wenn das Vertrauen in die Märkte unsicher scheint.

 

Abschliessend lässt sich schlussfolgern, dass auch im aktuellen Marktumfeld empfohlen werden kann, die Gesamtallokation breit zu diversifizieren. Nach wie vor bleibt es jedem selber überlassen, seine Cashreserven aufzustocken, auf Grund der Befürchtung eines bevorstehenden Crashs. Hier bleibt nur die Möglichkeit sich zu informieren und ein eigenes Urteil zu bilden. Verfolgt man Grössen wie etwa Ray Dalio, Starinvestor und Gründer von Bridgewater Associates, etwa in seinem letzten Interview am World Economic Forum (WEF) in Davos so hört man Aussagen wie: «Cash is Trash!». Eine überspitzte Metapher zu dessen Meinung, dass jeder Anleger welcher zur Zeit auf Bargeld setze, Geld verliere und nicht mehr am Markt teilnimmt. In Anbetracht der Ausweitung der Negativ Verzinsung auf Sparguthaben, beinhaltet diese Aussage durchaus seine begründbaren Anekdoten, ohne dabei die Diskussion über weitere Funktionen des Geldes lostreten zu wollen.

 

Cash Dollar

Innovation in der Medizinaltechnik und Robotik

Autor | Quelle

Severin Renold

McKinsey & Roland Berger

Thema

Health 4.0 | Labor 4.0

Disruption

 

Ökonomen diskutieren intensiv, was für Auswirkungen die vierte industrielle Revolution auf das Wirtschaftswachstum diverser Branchen haben wird. «Technologien und Innovationen stehen an einem Wendepunkt und es muss mit massiven Produktivitätsschüben gerechnet werden», so erklingt es aus manch einer Ecke von Wirtschaftsmagazinen und Analysten. Klaus Schwab schreibt in seinem Buch, «Die Vierte Industrielle Revolution», über die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Möchte ein Unternehmen weiterhin konkurrenzfähig bleiben, muss es für alle möglichen Innovationen als Pionier gelten. Nur noch auf Strategien der Kostensenkung zu setzen wird sich in Zukunft nicht mehr gleichermassen auszahlen. Umso mehr lohnt es sich Strategien zu verfolgen, bei welchen Produkte und Dienstleistungen auf innovative Weise angeboten werden (Schwab, 2016). In dieses Gebiet fällt auch die digitale Disruption. Ein Thema mit welchem sich viele Firmen oder ganze Branchen oftmals erst dann beschäftigen, wenn es bereits zu spät ist. Dabei geht es auf der einen Seite darum, Gefahren für das eigene Geschäftsmodell rechtzeitig zu erkennen. Was geschieht, wenn nicht früh genug auf diese Gefahren reagiert wird, konnte bei Beispielen wie Uber in der Taxiindustrie und bei Airbnb in der Hotellerie mitverfolgt werden. Auf der anderen Seite geht es um die Frage, wie die Digitalisierung genutzt werden kann, um das eigene Geschäftsmodell auszubauen und so selbst zu einem aufstrebenden Disruptor zu werden und andere Unternehmen unter Druck zu setzen.

Bei der Erarbeitung von grundsätzlichen Lösungen werden die vier Haupteffekte, welche die vierte industrielle Revolution mit sich bringt, berücksichtigt. Dazu gehören die folgenden Punkte:

  • Kundenerwartungen ändern sich
  • Daten werten Produkte auf, dadurch wird die Anlagenproduktivität gesteigert.
  • Innovation wird mit Kooperationen gefördert
  • Betriebsmodelle werden in neue digitale Modelle umgewandelt.

(Schwab, 2016)

 

Digital Brain

 

Der Markt der Medizinaltechnik

Die Medizinaltechnik ist seit Jahren einem natürlichen Wachstum ausgesetzt. Die Ansprüche an die Medizin in der Gesellschaft steigen und sind mit ein Grund für das grundlegende Umsatzwachstum. Im Jahr 2017 wurde der Globale Markt auf 405 Milliarden US-Dollar beziffert (Radtke, 2019). Im Marktumfeld des Automated Liquid Handling betrug das Marktvolumen im Jahr 2016 585 Millionen US-Dollar (Sumant & Shaikh, 2017).

 

Laut einer veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Roland Berger (Berger, 2018), wird die Medizintechnikbranche in den kommenden Jahren ein beachtliches Potenzial bei Umsätzen und Arbeitsplätzen entfalten. Die Studie, die auf der MEDICA vorgestellt und vom Industrieverband SPECTARIS und der Messe Düsseldorf in Auftrag gegeben wurde, basiert auf einer Befragung von mehr als 200 Medizintechnikunternehmen, sowie auf zahlreichen weiteren Experteninterviews mit Versorgern, Start-ups, Kassenvertretern und der Politik. Laut dieser Studie werden sich die Umsätze mit digitalen Produkten und Services alleine in Deutschland bis 2028 mehr als vervierfachen, von 3.3 Mrd. EUR auf bis zu 15 Mrd. EUR und im Globalen Markt von 405 Mrd. auf 594.5 Mrd. US-Dollar (Radtke, 2019). Mittels neuer Technologien, welche die Industrie 4.0 charakterisieren – von der Konnektivität bis hin zu fortschrittlicher Analytik, Robotik und Automatisierung – haben diese das Potenzial, jedes Element des Pharmalabors innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre zu revolutionieren. Dem Globalen Markt des Automated Liquid Handling wird ein Wachstum vom 7.8% jährlich bis 2024 vorausgesagt und wird somit ein Volumen von 1 Milliarde US-Dollar im Jahr 2024 erreichen (Automated Liquid Handling Market Size, Analysis, Growth, 2018).

 

Die ersten realen Anwendungsfälle haben zu einer Produktivitätssteigerung von 30 bis 40% in bereits ausgereiften und effizienten Laborumgebungen geführt und eine ganze Reihe von Verbesserungen könnte zu einer Senkung der Gesamtkosten für die Qualitätskontrolle um mehr als 50% führen. Die Digitalisierung und Automatisierung werden, indem manuelle Fehler und Schwankungen reduziert und eine schnellere und effektivere Lösung von Problemen ermöglicht werden, eine bessere Qualität und Einhaltung von Vorschriften sicherstellen. Anwendungsfälle haben eine mehr als 65-prozentige Reduzierung der Abweichungen und eine über 90-prozentige Verkürzung der Abschlusszeiten gezeigt. Die Vermeidung von wichtigen Compliance-Problemen kann allein schon eine Kosteneinsparung in Millionenhöhe bedeuten. Darüber hinaus können eine verbesserte Agilität und kürzere Testzeiten die Vorlaufzeiten im Labor um 60 bis 70% reduzieren und schließlich zu Echtzeit-Freigaben führen (Han, Makarova, Ringel & Telpis, 2019).

 

Im Trendreport 2019 für Analysen-, Bio- und Labortechnik vermerkt Dr. Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender der BASF SE, dass die Phase der Insellösungen in Laborumgebungen nun definitiv endet (Brudermüller, 2019). Der Fokus in Hinsicht auf das Labor 4.0 liegt auf smarten und vernetzbaren Labor- und Analysegeräten, die zentral und im Verbund gesteuert werden können und entlang der gesamten Wertschöpfungskette flexibel in die IT-Umgebung eingebunden sind. Interoperabilität von Instrumenten über einzelne Anwendungsgebiete hinweg ist heute gefragt. Vereinheitlichte Datenformate und Protokolle, aber auch erstklassiges Training der Geräteanwender, sind hierbei entscheidend und Voraussetzungen für smarte Lösungen.

 

Robotik

 

Disruption und neue Wege

Was ist der Grund für diesen kurzen Ausflug in prognostizierte Wachstumszahlen der Medizinaltechnik? Wie so manch andere Branche zuvor, konnten sich viele Marktteilnehmer aus diesem Segment auf einem gesunden Umsatzwachstum ausruhen, Kundenstämme ausbauen, weitere Arbeitsplätze schaffen und neue Märkte öffnen. Mit Anbetracht dieser Ausgangslage spielt der Fokus für neue Geschäftsmodelle, der Miteinbezug neuer Technologien und der grundsätzliche Ausbau des Digitalisierungsgrads oft nur eine sekundäre Rolle. Und genau hier befindet sich der initiale Punkt für einen zukünftigen Disruptor, sich mit neuen Methoden im Markt zu platzieren und bestehende Unternehmen unter Druck zu setzen. Ob dies über den Einstieg mit günstigeren Produkten funktioniert, kann in Frage gestellt werden. Gerade hier legen viele Direct Sales Kunden wie auch OEM Kunden (Original Equipment Manufacturers), erhöhten Wert auf die Sicherheit und Qualität der gelieferten Gerätschaften. Nicht nur wegen den signifikanten Kostenpunkten, die im Falle eines Qualitätsfehlers ausgelöst werden können (man nehme als Beispiel eine Kreuzkontamination, die in der Lagerung und Bewirtschaftung einer Blutprobe ausgelöst wird, weil die entsprechenden Hygienemassnahmen nicht eingehalten wurden), viel schlimmer wären die entsprechenden Reputationsrisiken, welche allenfalls irreparable Schäden nach sich ziehen könnten. Nein, viel mehr liegt der Kern der Disruption hier im Angebot einer holistischen Lösung die es ermöglicht, repetitive manuelle und fehleranfällige Arbeitsschritte durch Automation und Digitalisierung zu ersetzen. Gut funktionierende Insellösungen müssen sich zu einem Gesamtkonzept in Richtung Labor 4.0 transformieren. Maschinen müssen nicht nur miteinander kommunizieren können, Stichwort IOT (Internet of Things), um deren Wartung und Bewirtschaftung sicherstellen zu können, vielmehr muss der gesamte Laborraum zu einem intelligenten Hub werden, in welchem ein smartes Transportsystem die Konnektivität und Verbindung unter den verschiedenen Maschinen sicherstellt, um wieder auf das Beispiel der Proben zurück zu greifen.

 

Ein System welches autonom von aussen gesteuert werden kann und in Realtime die erforderlichen Controlling-Messgrössen liefert, die Logistik effizienter gestaltet und eine Schnittstelle zum internen ERP System liefert. Wieso? Hier kommt der nächste Punkt der langfristigen Kostenersparnis im Projektmanagement. Eine Vielzahl der befragten Unternehmen arbeiten zur Zeit noch mit einer Auswahl einzelner Tools und bewirtschaften die Kommunikation und Supportanfragen ihrer Kunden manuell. Gerade hier setzt der zukünftige Disruptor wieder an und verbessert die User Experience mit direktem Zugang zu der Softwareschnittstelle. Der Datenaustausch muss in Echtzeit funktionieren und der Kunde sollte zu jeder Zeit in Kenntnis sein, über den aktuellen Stand seiner Produkte, Maschinen, Projekte, Forschungsfortschritte und so weiter.

 

 

Hier kommt nun die erste Herausforderung zu tragen, wer bietet eine solche Softwareapplikation an, welche auf dem geforderten Sicherheitsstandard funktionieren kann und keine erheblichen Umschulungen abverlangt? Wir wissen, Disruption beginnt in der Einfachheit der Innovation, welche das Potenzial birgt auf einen grossen Markt adaptiert zu werden. Als nächstes wäre da die Komplexität zur Umsetzung einer beschriebenen Laborumgebung. Die allgemein gültige Standardlösung wird auf Grund der individuell gestalteten und verschachtelten Laborräumlichkeiten wohl kaum Anwendung finden, es sei denn ein Interessent zieht in Erwägung komplett von 0 zu beginnen. Man muss also Transportsysteme entwickeln, welche nicht von zu hohen logistischen Voraussetzungen geprägt sind. Was könnte dies sein, doch kein Schienensystem, sondern vielleicht eher eine Drohnenlösung oder selbstfahrende Transportfahrzeuge, wie lässt sich dies dann aber skalieren? Das Umfeld scheint definitiv noch Spielraum zu bieten, für geniale Entwickler und Ingenieure, welche sich in smarten Laborlösungen und der Konnektivität, sowohl digitaler als auch physischer Natur, verwirklichen möchten.

 

Ein Ansatz dennoch schon heute weitere Teile dieses Wachstumsmarktes für sich gewinnen zu können, wäre das bestehende Knowhow zu nutzen für die bedingten Voraussetzungen und den Bau eines solchen Systems und dessen vorangehende Planung. Die Auslagerung eines Robotikherstellers für Geräte der Medizinaltechnik, vom reinen Hardwarekatalog neu zum erweiterten Softwareanbieter. Eine Software mit welcher ich schon heute meine Vorstellungen des perfekten Labor 4.0 in 3D visualisieren könnte. Produkte platzieren, Verbindungen nachstellen, Anschlüsse und Reinräume sicherstellen und das ganze Transportsystem implementieren könnte. Diesmal allerdings nicht als proprietäre Lösung für einen bestimmten Hersteller, sondern offen nutzbar als Freemium / Subscription Modell für den gesamten und spezifischen Markt der Medizinaltechnik. Nicht nur wäre dies ein weiterer Schritt in die richtige Richtung zur zuvor geschilderten Gesamtlösung, nein die Anbieter einer solchen Software können zudem in ganz anderen Märkten und Kundensegmenten mitspielen, welche sich bis anhin nicht im Radius dieser Unternehmen befanden. Kunden und Interessenten welche in erster Linie ein reines Planungsinstrument nutzen möchten, später aber vielleicht auch auf die Hardware Produktepalette zurückgreifen auf Grund der bereitgestellten Servicequalität, werden zu ergänzenden Umsatztreibern. Die Abrundung einer optimierten User Journey, als Reaktion auf den Wandel des veränderten Konsumverhaltens.

 

Dies soweit als reiner erster Denkanstoss. In unseren weiteren Blogs zur Digitalisierung im Gesundheitswesen und spezifisch der Medizinaltechnik und Robotik, werden wir diese initialen Gedanken wieder aufgreifen und weiter ausführen.

Finanzkrise 2020 Teil 2/2

Autoren | Quellen

Le Bijou Blog

Starwerk.ch

Thema

Finanzen & Märkte

Die beiden Faktoren, die zur Krise in den Jahren 2019-2020 führen werden

 

In den meisten Industrieländern gibt es zwei Gegenwindströmungen, die das Wachstum des vergangenen Jahrzehnts bedrohen:

1.

a) Ende der QL und steigende Zinsen
b) Ungleichheit und der Aufstieg sozialpolitischer Instabilität

 

2.

a) Steigende Zinssätze und die Rückkehr der Vermögenspreise zum Durchschnitt

 

Einfach ausgedrückt, wenn das Verhältnis von Schulden zu BIP einen bestimmten Punkt überschreitet (zwischen 100 und 200% je nach Land, Präsident der Zentralbank und makroökonomischem Klima), neigen die Zentralbanken dazu, die Geldpolitik in Form einer Anhebung des Basiszinssatzes zu straffen. Sie werden auch strengere Kriterien für die Kreditvergabe von Banken festlegen (z. B. welcher Sektor, welche LTV-Rate usw.), üblicherweise in Form strengerer Stresstests.

 

Es gibt vier Hauptgründe für die Straffung der Geldpolitik:

 

  • Die Zentralbanken wollen die Inflation niedrig halten: Wenn das Wirtschaftswachstum an Dynamik gewinnt, steigt das Preisniveau tendenziell an, was zu Inflation führt. Der Basiszinssatz wird zum primären Regulierer, da er das Wirtschaftswachstum abkühlt. Die Zentralbanken müssen ihn erhöhen, um die Inflation zu kontrollieren.

 

  • Kontrollierte Entschuldung: Wenn die Gesamtverschuldung in einer Volkswirtschaft eine bestimmte Schwelle überschreitet, wird ein großer Teil des BIP in die Zinszahlung fließen, was nicht die produktivste Verwendung von Kapital darstellt. Wenn Unternehmen einen immer größeren Teil ihres Gewinns für Darlehenszinsen zahlen, bedeutet dies, dass Investitionen in ihre Mitarbeiter verloren gehen (durch Schulungen oder eine bessere Vergütung, die letztendlich zur Steigerung des Wachstums verwendet werden kann) und niedrigere Steuereinnahmen. Beides ist schlecht für das Wirtschaftswachstum.

 

  • Die Zentralbanken wollen ein Umfeld für eine höhere Kapitalallokationseffizienz schaffen: In Verbindung mit Nummer 2 wird eine pauschal niedrige Rate über alle Kreditaufnahmen hinweg Kapital möglicherweise nicht in den produktivsten Sektor gelangen lassen. Daher können Zentralbanken versuchen, durch den Erlass strengerer/selektiverer Kreditkriterien Kapital in die gewünschten Sektoren zu lenken.

 

  • Die Zentralbanken wollen das Wachstum verlangsamen, um eine starke Überhitzung zu verhindern, was zu noch schlimmeren Krisen führen wird: Die Anleger glauben, dass die Märkte nervös werden, wenn die Schuldenquote eine bestimmte Schwelle überschreitet, und sich daher die Kreditkosten der Regierungen automatisch erhöhen werden. Zentralbanker möchten daher das Wachstum proaktiv verlangsamen, um Überhitzung zu vermeiden und das Vertrauen zu stärken.

 

Chart about recessions

 

Bis vor Kurzem hat sich der Zinssatz in Einklang mit der Schuldenquote entwickelt. Quelle: ResearchGate

 

Der Gesamteffekt ist, dass Fremdkapital teurer und schwerer zugänglich wird. Die unmittelbare Auswirkung wäre ein Nachlassen der Nachfrage nach Finanz- und Sachwerten, was zu einem Preisrückgang führen würde. Wenn dies falsch gehandhabt wird, kann dies zu einem Teufelskreis führen, in dem:

 

  • Der Preis von Vermögenswerten sinkt, was zu einem Bewertungsrückgang führt;
  • Die Obergrenze für die Verschuldung überschritten wird, was dazu führt, dass weniger Kredite verfügbar sind;
  • Investitionen sinken und Einkommen (Gewinne) fallen;
  • Das Geschäft aufgrund der geringeren Rentabilität weniger wertvoll wird, was zu einem weiteren Rückgang der Bewertung führt;
  • Wenn sich das auf die gesamte Wirtschaft ausdehnt, kommt das Wachstum zum Erliegen.

 

b) Ungleichheit und die Zunahme sozialpolitischer Instabilität führen zum Aufkommen des Populismus und schließlich zu einem stärkeren wirtschaftlichen Niedergang

 

Der rasche Anstieg der Vermögenspreise als Folge der Zentralbankpolitik hatte die unbeabsichtigte Folge, dass sich die wirtschaftliche Ungleichheit in den Industrieländern verschärfte. Drei Faktoren trugen gleichermaßen dazu bei:

 

  • Der (durch diese Politik ausgelöste) erhöhte Vermögenspreis kam den Personen mit Vermögenswerten zugute. Dies bedeutete, dass die Kluft zwischen Menschen mit Vermögenswerten und denen ohne solche größer wurde;
  • Die Erhöhung des Vermögenspreises machte das Vermögen zudem weniger erschwinglich, wodurch die Wahrscheinlichkeit für Personen, die kein Vermögen hatten, jemals welches zu erwerben, sank -> Personen, die bereits über Vermögenswerte verfügen, konnten weiterhin Vermögenswerte erwerben und ihren Besitz vermehren -> Kluft hat sich verbreitert;
  • Durch die Zinssenkung sind die Anschaffungskosten für Vermögen wesentlich niedriger als zuvor. Die Kreditaufnahme zu niedrigen Zinssätzen wurde nur solchen Personen zugänglich, die bereits über Vermögenswerte verfügten.

 

So werden die Armen ärmer, während die Reichen (die im Besitz wachsender Vermögenswerte sind) reicher werden.

 

„Wir müssen uns Sorgen um den Wohlstandsunterschied und die geopolitischen Folgen machen.“, Ray Dalio

 

Der Zusammenhang zwischen zunehmender Ungleichheit, wachsendem sozialem Zusammenhalt und damit verbundener politischer Instabilität ist gut dokumentiert. Ungleichheit befeuert den Populismus, wie wir es mit dem Brexit, der Wahl von Trump, Salvini und dem Aufstieg der AfD in Deutschland gesehen haben. Die populistische Politik war in der Vergangenheit eine Bedrohung für das langfristige Wirtschaftswachstum. Daher sinkt das Vertrauen der Anleger in die Zukunftsaussichten der Weltwirtschaft.

 

Was passiert mit Ihrem Portfolio, wenn der nächste Tsunami eintritt?

 

Nehmen wir an, Sie befinden sich mitten im nächsten Marktabschwung. Was wird diesmal passieren? Wie fühlt es sich an? Wie werden Sie reagieren?

 

Betrachten wir eine hypothetische Kette von Ereignissen, die sich in absehbarer Zeit entwickeln könnte:

 

  • Nach zwei Jahren chaotischer Verhandlungen tritt Großbritannien ohne Austrittsabkommen aus der EU aus und schickte seine gesamte Wirtschaft in unbekannte Gewässer.
  • Das Pfund erreichte ein 30-Jahrestief gegenüber dem Dollar.
  • Proteste auf der Straße führten zum Rücktritt von Premierministerin May, und es wurden Parlamentswahlen abgehalten, in denen Jeremy Corbyn, ein überzeugter Sozialist, gewählt wurde.
  • Infolgedessen sank das Geschäftsvertrauen und die Unternehmensinvestitionen nahmen ab.
  • Inmitten der chaotischen politischen Szene wurden viele der in London abgeschlossenen EU-Derivatekontrakte rechtlich nicht durchsetzbar, was den Inhabern massive Verluste verursachte.
  • Das Marktvertrauen ging zurück und der FTSE 100 sank am Ende der Woche um 15% und am Monatsende um 30%.
  • Die britische Wirtschaft erlitt einen plötzlichen Abschwung. Aufgrund der historisch engen Handelsbeziehungen breitete der sich in der gesamten EU aus.
  • Die Abschwächung in der EU hat sich wiederum auf deren Handelspartner auf der ganzen Welt ausgeweitet.
  • Die Anleger begannen an der Gesundheit der Weltwirtschaft zu zweifeln, und die wichtigsten Indizes erlitten einen dramatischen Rückgang und sanken bis Ende des Monats um 25%.

 

In diesem hypothetischen Fall sehen Sie hier die potenziellen Auswirkungen auf Ihr 100.000-Dollar-Portfolio, das aus geografisch und nach Sektoren diversifizierten ETFs besteht, die aus der klassischen 60-40-Kombination aus Aktien und Anleihen bestehen:

 

  • Der Aktienanteil Ihres Portfolios wird um 25% von 60.000 USD auf 45.000 USD fallen;
  • Der Anleihenanteil ist widerstandsfähiger, kann aber immer noch um 15% von 34.000 USD sinken;
  • Infolgedessen wird Ihr Portfolio jetzt 79.000 US-Dollar wert sein und damit um 21% gefallen sein
  • Die Unternehmensgewinne können während eines Abschwungs gekürzt werden, was sich direkt auf die Dividendenausschüttung auswirkt. Es ist durchaus möglich, dass die Wachstumsraten der Dividenden um mehr als 15% sinken.

 

Hierbei handelt es sich um reale und nominale Einnahmen- und Bewertungsverluste, die die Anlegerpsychologie tiefgreifend beeinflussen und zu Panikverkäufen führen können, die den Marktrückgang verstärken.

 

Was können Sie tun, um Ihr Portfolio jetzt zu isolieren?

 

Der einfachste Weg, den Wert Ihres Portfolios während eines Abschwungs zu bewahren, besteht darin, Ihre Risikokonzentration zu diversifizieren, bevor der Markt das Risiko vollständig einschätzt.

 

Wenn wir das Risikospektrum betrachten, brauchen wir in einer idealen Welt ein Asset, das die folgenden 2 Kriterien erfüllt:

 

  • Standort in einer Gerichtsbarkeit mit hoher politischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Stabilität sowie einem günstigen Geschäftsumfeld. Diese Faktoren sind wichtig für die Werterhaltung;
  • In der Lage, stabile und steigende Einkommen zu generieren, die eine Wertsteigerung ermöglichen.

 

Schweizer Immobilien kommen einem sofort in den Sinn.

 

Als Nation hat die Schweiz einige vorteilhafte Eigenschaften:

 

  • Sie ist ein kleines, stabiles und neutrales Land;
  • Sie beherbergt eine hoch entwickelte Wirtschaft;
  • Als eine Nation, die enge bilaterale Beziehungen mit der EU unterhält und Bewegungsfreiheit akzeptiert, verzeichnet sie ein überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum;
  • Die Anzahl der Touristen pro Jahr ist sogar während der Großen Rezession kontinuierlich um 3% gestiegen.
  • Das Immobilienangebot ist relativ unelastisch (begrenzte Verfügbarkeit). Daher steigt bei steigender Nachfrage die durchschnittliche Rate pro Nacht, wodurch das Einkommenspotenzial erhöht wird.

 

Der Schweizer Immobilienmarkt ist historisch gesehen ausgeglichen. In letzter Zeit war die Kurve wegen der oben genannten Faktoren etwas aggressiver. Aufgrund der starken Unterstützung auf der Nachfrageseite ist der Immobilienpreis auch während der Großen Rezession stabil geblieben, was ihn zu einer attraktiven Absicherung gegen Marktschwankungen an anderen Orten macht.

 

Münsterhof Zürich

 

Wie komme ich zum Schweizer Immobilienmarkt?

 

Es gibt verschiedene Ansätze, und die genaue Methode hängt von den persönlichen Vorlieben und Umständen der Anleger ab.

 

Vermögens-wert Eintritts-barriere Kapital-rendite / Gewinn (p.a.) Kapital-schutz Gewinn Liquidität Transaktions-kosten Instandhaltungs-kosten Beispiel
Physisches Objekt CHF 200k min Bis zu 4 % Physisches Objekt < 2% Niedrig 1% 0,5-1,5% Alle Schweizer Makler
Anteile an einem Unternehmen der Immobilienbranche CHF 50k k.A. Physisches Objekt Bis zu 7% – 14% Niedrig 0% 0% Le Bijou Owners Club
Immobilienfonds CHF 1k 3% Gegen die Immobilie besichert 2-3% Niedrig: wenn geschlossen
Hoch: wenn offen gehandelt
0,01-1% 0,5-2% SXI Swiss RE Funds
Immobilien-anleihen CHF 10k 0% Gegen die Immobilie besichert 2 – 6,5%+ Niedrig 0% 0% Le Bijou-Anleihen

 

Schlussfolgerung

 

Wir haben ein Jahrzehnt außergewöhnlicher Renditen am Finanzmarkt genossen. Eine so lange Zeit der Stabilität kann unser Urteil oft trüben und uns glauben machen, dass dies die Norm ist. Die Geschichte lehrt uns jedoch, dass dies weit von der Wahrheit entfernt ist. Der Finanzmarkt ist volatil und es gibt Warnsignale im gesamten Spektrum, dass ein Abschwung bevorstehen könnte. Glücklicherweise stehen den Anlegern auf dem heutigen Markt zahlreiche Optionen zur Verfügung, um die Risikominderung bei ausgewogener Kapitalrendite zu erleichtern.

 

Quelle: Starwerk.ch

Finanzkrise 2020 Teil1/2

Autoren | Quellen

Le Bijou Blog

Starwerk.ch

Thema

Finanzen & Märkte

Wie sicher ist Ihr Portfolio?

 

„Es hat nicht geregnet, als Noah die Arche baute“
– Howard Ruff

 

Wir erleben den längsten Bullenmarkt in der jüngsten Geschichte, mit zehn aufeinander folgenden Jahren, in denen die Börsenkurse gestiegen sind. Seit 2008 sind viele Mitglieder der Milleniums-Generation in die Arbeitswelt eingetreten, und ein beträchtlicher Teil von ihnen wurde selbst zu Investoren. Wir sprechen hier von einer ganzen Generation von Menschen, die auf dem Markt sind und noch nie einen Abschwung erlebt haben. Es ist daher sehr leicht, selbstgefällig zu sein und die wundervolle Performanz des letzten Jahrzehnts unendlich in die Zukunft zu extrapolieren.

 

Die Geschichte lehrt uns jedoch, dass die Marktzyklen zyklisch sind. Die äußeren Umstände können sich ändern. Dennoch bleiben übermäßige Gier und Angst Konstanten, was zu Höhen und Tiefen führt. Es ist gefährlich, eine lineare Extrapolation der Performanz der Vergangenheit vorzunehmen und zu erwarten, dass diese auf unbestimmte Zeit fortbesteht.

 

Wir befinden uns in einem Stadium, in dem die „Spitzenbewertung“ in Sicht ist. Was häufig folgt, ist entweder eine weiche (Korrektur) oder eine harte (Absturz) Landung, aber auf alle Fälle eine Landung. Es ist daher wichtig, Maßnahmen zu ergreifen und Ihr Portfolio aktiv zu schützen, unabhängig von den Ergebnissen der nächsten 24 Monate.

 

In diesem Beitrag behandeln wir:

 

1._Warum kommt es zu Krisen?

2._Beweise, dass die nächste unmittelbar bevorsteht

3._Welche Vermögenswerte sind am stärksten gefährdet?

4._Was können Sie tun, um das Risiko zu mindern?

 

Hinweis: In diesem Artikel beziehen wir uns hauptsächlich auf die Märkte in den USA und Großbritannien, da sie die wichtigsten Markttreiber sind. Der Dollar ist auch die wichtigste internationale Währung.

 

Bull + Bear Stock exchange

 

Warum kommt es zu Krisen?

 

Rezessionen sind aus verschiedenen Gründen regelmäßig in unserer Wirtschaftsgeschichte aufgetreten (z. B. wirtschaftliches Missmanagement, Kriege, Krankheiten, menschliche Gier). In den letzten 120 Jahren und mit Ausnahme der beiden Weltkriege sind Rezessionen in den entwickelten Volkswirtschaften tendenziell das Nebenprodukt des Boom-Bust-Zyklus, der oft durch den einfachen Zugang zu Kapital angeheizt wird.

 

Der jüngste Abschwung (die Große Rezession 2007/09) war ein klassisches Beispiel für den kreditgetriebenen Zyklus:

 

  • Nach der Dotcom-Blasestanden Kredite problemlos zur Verfügung und erreichten 2006 einen Höhepunkt, wobei das Subprime-Hypothekendarlehen 20% der gesamten Hypothekarkredite einnahm;
  • Die Preise für Vermögenswerte (insbesondere US-Immobilienpreise, aber Finanzanlagen im Allgemeinen) wurden zunehmend aufgebläht und übertrafen häufig die Substanzwerte;
  • Es folgten weitere Anleger, die in den Markt eintraten, in der Hoffnung, höhere Erträge zu erzielen (Herdenmentalität); dadurch wurde der Anlagepreis weiter nach oben getrieben;
  • Dann kamen Subprime-Kreditnehmer in großem Stil in Verzug mit ihren Hypotheken, da die Teaser-Ratenausliefen und die monatlichen Rückzahlungen unbezahlbar wurden;
  • Die Kreditgeber hatten plötzlich Unmengen notleidender Kredite in ihren Büchern stehen, was sie dazu veranlasste, zwei Dinge zu tun:
  • Massenweise Zwangsenteignungen dieser Immobilien vorzunehmen: Dies führte zu einem plötzlichen Anstieg des Immobilienangebots, ohne passende Nachfrage, und somit zu einem drastischen Rückgang der US-Immobilienpreise;
  • Die Kreditkriterien auf breiter Front zu verschärfen: oftmals undifferenziert, wodurch Unternehmen das Kapital fehlte und das Wachstum erstickte
  • Die wirtschaftlichen Aussichten wurden plötzlich weniger positiv als zuvor, was dazu führte, dass die Anleger ihre Investition neu bewerteten und begannen, ihre Beteiligungen zu verkaufen;
  • Als der Verkauf anhielt, wurde er zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung (aufgrund der Herdenmentalität) und führte zu einem Zusammenbruch der Finanzmärkte.

 

Als Folge der Großen Rezession setzten die drei wichtigsten Zentralbanken der Welt (Federal Reserve, Bank of England, Europäische Zentralbank) zwei Schlüsselinstrumente ein, um das stagnierende Wirtschaftswachstum anzukurbeln:

 

  • Quantitative Lockerung (QL): Die Schaffung von „Barmitteln“ durch die Zentralbanken zum Kauf von finanziellen Vermögenswerten, zur Erhöhung ihres Preisniveaus und zur Aufrechterhaltung des Marktvertrauens
  • Senkung der Zinssätze: Dies senkte die Kreditkosten, um die Anleger zu ermutigen, Fremdkapital aufzunehmen und produktiv einzusetzen

 

Wie QL mit den Zinssätzen zusammenwirkt, um das Wachstum zu stimulieren. Quelle: BBC

 

Quantitative Easing: The theory

 

Die Beweise: Warum steht die nächste Krise vor der Tür?

 

Durch diese beiden Instrumente wurde die Gesamtliquidität in einem zuvor stagnierenden Markt erheblich erhöht. Sie waren zweifellos maßgeblich an der raschen wirtschaftlichen Erholung im Anschluss daran beteiligt. Beide Instrumente führten jedoch auch zu einem raschen Anstieg (oder einer Erholung) des Vermögenspreises im gesamten Spektrum, weil:

 

  • Signifikanter Nachfragedruck durch QL
  • Vernachlässigbare Kreditkosten (der Realzins war im Vergleich zur Inflation in den meisten Industrieländern negativ), was den Appetit auf den Vermögenserwerb weiter anheizte und Druck auf die Nachfrageseite ausübte

 

Aufgrund eines Jahrzehnts der quantitativen Lockerung und niedriger Zinssätze verzeichneten die meisten Aktienindizes in den Industrieländern einen rapiden Bewertungsanstieg. Dies führte dazu, dass diese Vermögenswerte sich im Vollpreis befanden: innerer Wert plus Marktprämie.

 

  • Der S&P 500-Index legte zwischen Januar 2009 und Januar 2019 um 260% zu;
  • Der Central London Property-Indexstieg zwischen dem Tief im Dezember 2008 und Dezember 2017 um über 100%;
  • Der Schweizer Private-Property-Indexzeigte zwischen Dezember 2008 und Dezember 2016 eine stabile Performance und stieg um 40%.

 

Die Nachhaltigkeit einer solchen Bewertung hängt von zwei Bedingungen ab:

 

  • Überfluss an Liquidität auf dem Markt (entweder durch QL oder niedrige Zinsraten)
  • Anhaltende Wachstumserwartungen

 

In letzter Zeit gibt es jedoch Anzeichen, dass beide Faktoren auf dem heutigen Markt nachlassen und die Bewertung der Aktienmärkte zunehmend riskanter wird.

Fortsetzung folgt in Teil 2

Der Schwund des Einzelhandels

Autoren | Quellen

Severin Renold

Thema

Digitalisierung für KMUs

Was tun im Wandel und woher kommt der aktuelle Trend des Konsumentenverhaltens?

Von Tag zu Tag findet man einen weiteren Bericht im Fernsehen oder einen Artikel in der Zeitung, über Altstädte die vom Schwund der Einzelhändler betroffen sind. Kleine Warengeschäfte und Dienstleister die einstig zum Standard des alltäglichen Einkaufbummels zählten. Ein Schwatz hier, eine Verkostung dort und hie und da ein offerierter Espresso des aufgestellten Bäckers, der bald in die verdiente Zimmerstunde treten durfte. Die Atmosphäre einer solchen Altstadt wie sie nicht selten in der Schweiz anzutreffen ist, hat oftmals einen ganz besonderen Charme, welcher sich schwer umschreiben lässt wenn man ihn nicht selbst in früheren Zeiten miterlebte. War man an einem Wochenendtag unterwegs bestand grosse Chance, den ein oder anderen Marktstand zu kreuzen, welcher frische Lebensmittel wie Früchte und Gemüse vom Bauernhof, Accessoires, Dekoutensilien oder sonstige einheimische Waren verkaufte. Wahrlich ein Stück Kultur und Tradition, welche mit der Stadt verbunden werden konnte, ohne dabei ein Museum betreten zu müssen.

 

Doch wo sind sie hin, die Tage der Profitabilität, des blühenden Einzelhandels, der kreativen Machern von klein- und mittelständischen Betrieben? Nicht aus reinem Zufall trifft man beim heutigen Gang durch viele Altstädte ein ähnliches Szenario an. Viele Leerstände, stetige Wechsel von Betreibern, wenig Leben und immer mehr Marken von eher grossen Ketten, wie sie auch in anderen Shoppingcentern aufzufinden sind.

Nicht nur die Einzigartigkeit der Stadt geht dadurch ein Stück weit verloren, an unseren KMUs hängt eine Vielfalt an Ausbildungsstätten für spezifische Berufstätigkeiten, Arbeitsplätze und schliesslich ein Grossteil des Bruttoinlandproduktes (abgesehen von der Lokalität). Was ist es, was das florierende Geschäft derart hemmte? Klar ist es von aussen betrachtend immer einfacher ein Fazit zu ziehen und Ratschläge zu geben, doch eins ist eindeutig – zum aktuellen Konsumwandel haben mehr als nur 2-3 Faktoren beigetragen.

 

Von der Spezialisierung über die Industrialisierung bis heute, der Digitalisierung haben die durchlebten Phasen einige Gemeinsamkeiten. Sie erhöhten die Produktion, schmälerten langfristig die Kosten und verursachten damit mehr Gewinn. Mit der zunehmenden Globalisierung war es mit der Zeit besser möglich, auch Produkte ausserhalb der eigenen Region zu führen und im eigenen Geschäft abzusetzen, das heisst die Auswahl wurde breiter. Wer einen Kunden möglichst lange in seinem Ladenlokal halten wollte, führte also das Sortiment so, dass dieser nicht mehr zum Nachbar schlendern musste, um dort den Rest seiner Einkaufsliste zu besorgen. Händler wandelten sich von Spezialisten zu Generalisten, die Post führte auf einmal nicht mehr nur Briefmarken im Sortiment, sondern auch Süssigkeiten, Elektronik und Büromaterial. Mit dem aufkommenden Gebrauch des Internets wurde dann schliesslich das nächste Zeitalter eingeläutet, nämlich das der Informationsgesellschaft. Nicht nur, dass das Sortiment nun noch breiter geführt werden konnte, die Transparenz im Netz ermöglichte es den Kunden schon im Vorab zu vergleichen und Entschlüsse zu ziehen, was denn nun von passendem Gebrauch sein könnte. Man erlebte also einen stillen Wechsel vom Verkäufer- zum Käufermarkt. Kunden bestimmten, was man im Laden zu führen hat. Angebot und Nachfrage verlagerten sich und schon längst wurde das Klientel so erzogen, dass sie wussten wer am längeren Hebel sitzt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und dazu kommt, er geht meist den Weg des geringsten Wiederstands. Und genau so verhält es sich mit dem Wandel vom Gang durch die Altstadt, zum heutigen Knopfdruck vor dem PC.

 

 

Es ist nicht so, dass man heute weniger Wert auf Qualität legen würde, um beispielsweise den Metzger aufzusuchen statt das abgepackte Fleisch aus dem Regal zu nehmen, ganz im Gegenteil. Aber die Vielzahl von Faktoren die es dem Kunden vereinfachen seine täglichen Einkäufe zu erledigen führen dazu, das Shoppingcenter oder den Webshop einem Einzelhändler vorzuziehen. In einer Informationsgesellschaft wie man sie heute nennen kann, wird die Zeit immer knapper. Immer mehr wird Multitasking betrieben, auf dem Weg zur Arbeit die Social Media Kanäle durchforstet, während dem Gang auf die Toilette kurz die Onlinezeitung durchgezappt.

 

Den Menschen fehlt schlicht weg die Geduld, sich wie früher die Zeit zu nehmen, um sein Auto ausserhalb der Altstadt parkieren zu können und anschliessend seine 4-5 Geschäfte aufzusuchen, welche die entsprechenden Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung stellten, die man eben brauchte. Doch was passiert, wenn ich überall alles kriegen kann? Wie differenziere ich mich als Geschäft, wenn selbst der tiefste Preis und die breiteste Auswahl nicht mehr reicht, den Kunden zu locken? Die Antwort liegt in der Qualität des Services. Und möglicherweise braucht es dazu den nächsten Wandel, welche die Leute wieder mehr aufklären und besinnen lässt. Den Fokus zurück gewinnen lässt und die soziale Interaktion mit einem Mitarbeiter hinter der Ladentheke wieder an Wert gewinnt, anstatt die selbe Hose zwar günstiger – aber zum 3x mal hin- und hergeschickt kaufen zu müssen. Wer weiss..

 

Aktuell lautet die Empfehlung, mit dem Wandel der Zeit mitzugehen und Chancen zu nutzen. Denn die digitale Transformation beginnt im Kopf und in einer kontinuierlichen Umsetzung, wofür ein erster Schritt benötigt wird. Noch heute sind zu viele Kleinunternehmer der Überzeugung, dass solcherlei Technologien und Anwendungen keinen Gebrauch fänden in ihrem Geschäftsmodell. Oder etwa, dass dies zu teuer sei, zu schwer verständlich und zeitlich nicht umsetzbar. Doch nur schon mit einer einfachen Webseite gibt man Kunden die Möglichkeit, sie zu finden bzw zu zeigen, dass Sie überhaupt existieren. Über Social Media können Sie schnell kommunizieren und Einblicke in Ihren Alltag gewähren, etwa Ausschnitte zu Ihrer Produktion, neue Lieferungen oder aktuelle Reduktionen. Die Geschwindigkeit einer solchen Kommunikation lässt sich durch keinen Zeitungsartikel oder keine Radiowerbung ersetzen, auch nicht im Vergleich zu der Reichweite im Kosten / Nutzenverhältnis. Interne Abläufe lassen sich vereinfachen und automatisieren. Die Kundenbetreuung kann perfektioniert werden durch pflichtbewusst geführte CRM Systeme. Es gibt nahezu nichts, was ein Kleinunternehmer nicht gleich führen könnte, wie es die Grosskonzerne vormachen. Doch ein wichtiger Aspekt bleibt, an welchem die komplette Übung hängt und über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Der Wille es zu tun und im Alltag vorzuleben. Der Chef muss den Mehrwert über die angewendeten Dinge verstehen und wertschätzen. Mit der Anwendung von digitalen Tools investiert man in die Zukunft und somit in den Fortbestand des eigenen Unternehmens. Wer sich die nötige Zeit nicht nimmt und entsprechend auch kein Verständnis dafür zeigt, welchen Nutzen eine Investitionen in diese Anwendungen bringt, der wird wohl oder übel auf der Strecke bleiben.

 

Tablet Lets get started

eCommerce

Autoren | Quellen

Severin Renold

Thema

eCommerce

So verkaufen Sie auch an Sonntagen

Schon der Untertitel könnte für manch einen Grund genug sein, die Frage klar zu beantworten. Der Trend ist eindeutig, Auf 8.6 Mrd. CHF beziffern der Verband des Schweizerischen Versandhandels VSV und GfK Switzerland den Wert der 2017 im Online- und Distanzhandel bestellten Waren mit Empfängeradresse in der Schweiz. Auf weitere 250 Mio. CHF wird der Wert der Onlinebestellungen geschätzt, die Schweizer von ausländischen Anbietern an eine grenznahe Abholstation senden lassen und selbst in die Schweiz einführen. Die insgesamt 8.85 Mrd. CHF liegen um 10 % über dem entsprechenden Vorjahreswert. Im Vergleich zu dem von der GfK für 2017 geschätzten Gesamtvolumen des Detailhandels in der Schweiz in Höhe von 91.9 Mrd. CHF, beträgt der Wert der Onlinebestellungen im In- und Ausland 9.6 %. Je nach Branche variiert der Wert zwischen 2 % und rund 30 %.

Der Gang zum Geschäft wird von Tag zu Tag seltener. Dies ist zurückzuführen auf die Bequemlichkeit der Kunden, was wiederum Antrieb der meisten Innovationen im aktuellen Zeitalter ist. Was muss ein Geschäft bieten, um möglichst viel Aufmerksamkeit und Kunden zu generieren?

  • Er hat ein breites Angebot an Produkten oder Dienstleistungen
  • Er hat ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis
  • Er ist zu praktisch jeder Zeit zugänglich und erreichbar
  • Er bietet einen guten Kundenservice
  • Er liefert dir die Ware direkt vor die Haustüre inkl. Rückgabegarantie

Onlineshoppen

Spätestens beim letzten, eher zynischen Punkt, wird die Illusion zerstört, dass diese Anforderungen noch in einem klassischen Ladenlokal umgesetzt werden könnten. Der Kostenpunkt ist schlichtweg nicht tragbar, die Konkurrenz im Internet zu gross. Was bleibt ist die Möglichkeit, mit dem Wandel der Zeit mitzugehen, oder zuzusehen wie tagtäglich selbst die treusten Kunden abwandern oder provokanter ausgedrückt, online «fremdgehen». Ganz klar kann niemand vorhersagen, ob der Trend wieder seine Wendung nehmen wird oder wann er seine Wendung nehmen wird. Die Frage lautet, möchten Sie das Risiko eingehen solange zu warten und auf Ihre Frequentationskundschaft zu hoffen, die direkt an Ihrer Lokalität vorbeiläuft oder evt. auf Grund einer Werbemassnahme den Weg zu Ihnen auf sich nimmt. Oder entlasten Sie sich diesen Risikos und geben Ihren Kunden eine weitere Möglichkeit Ihre Waren beziehen zu können.

Den Aufwand für die Erstellung eines Onlineshops amortisieren Sie durch die Kosteneinsparungen die Sie haben in Sachen Ladenpräsenz, Neukundenakquise, Verkaufsgespräche und weitere analoge Dinge die über einen Webshop automatisiert werden können. Auch hier gilt der Spruch: «Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit». Mit einer solchen Lösung können Sie nicht nur den Kreis an Anspruchsgruppen massiv erweitern, Sie kriegen die Gelegenheit Ihr Geschäftsmodell in unterschiedlichsten Punkten zu innovieren.

So können Sie beispielsweise die direkte Kommunikation mit Ihren Kunden nutzen, um breitflächig auf Sonderangebote und Vergünstigungen aufmerksam zu machen. Sie können gegebenenfalls Lagerkosten sparen indem Sie als reine Vermittlungsplattform fungieren. Sie sind 24h am Tag indirekt erreichbar und dies auch sonntags. Sie können die gesammelten Kundendaten direkt in Ihr CRM Programm überspielen und dies wiederum nutzen für Newsletter, automatisierte Geburtstagswünsche und vieles mehr. Mit Ihrem digitalen und filterbaren Kundenportfolio halten Sie Überblick über sämtliche Aktionen die genutzt wurden, wer welche Produkte in welchen Mengen und wann genau bestellt hat. Die Liste geht noch weiter doch dafür würden wir empfehlen, eine kostenfreie Beratung anzufordern und spezifische Möglichkeiten in Ihrem Fall gemeinsam mit den Experten zu evaluieren.

Unsere persönliche Einschätzung ist, dass der Trend für e- und insbesondere m-Commerce weiter wächst. Die Bewirtschaftung eines Onlineshops ist reine Gewohnheitssache, auch hier gibt es sehr nutzerfreundliche Tools, welche keine tiefen technischen Vorkenntnisse abverlangen.

Digitalisierung im Bildungswesen Teil 3/3

Autoren | Quellen

Severin Renold

Quellen siehe Text

Thema

Bildung 4.0

Im dritten und letzten Teil der Bildung 4.0 Reihe, steigen wir direkt ein in die nächsten Anwendungen zur Prozess- und Angebotsoptimierung, um zum Schluss des Artikels ein kurzes Resume ziehen zu können.

 

Learning Analytics

Learning Analytics beschäftigt sich mit der wachsenden Masse von Daten, welche von Studierenden generiert wird. Hierbei wird mittels automatisch generierten Nutzerdaten von Lernmanagementsystemen das Lernen «vermessen». Das Nutzerverhalten wird analysiert und sogenannte Muster eruiert. Anhand dieser soll anschliessend evaluiert werden können, ob der Studierende ein erfolgreiches oder nichterfolgreiches Lernverhalten aufweist. Das Vorgehen bei der Erhebung von Lernprozessdaten ist in einem ersten Schritt stets das Sammeln der Nutzerdaten. Diese gesammelten Datensätze werden anschliessend zur weiteren Verarbeitung und Analyse in eine Struktur gebracht, hier können komplexe Algorithmen den Prozess der Auswertung beschleunigen. Die aufbereiteten Daten erlauben später eine Vorhersage und bestimmte Rückschlüsse über den Erfolg der Lernstrategie und ermöglichen somit ein frühzeitiges Eingreifen der Dozierenden und eine Optimierung der Lernstrategie. (S.66-67, Einleitung Learning Analytics, TAB-Arbeitsbericht-ab171)

Obwohl im Zusammenhang mit dieser Methode rechtliche sowie ethische Bedenken bestehen, können ebenfalls Potenziale identifiziert werden. Für die Studierenden besteht die Möglichkeit eines individualisierten Lernprozesses sowie semesterbegleitendes Feedback zum persönlichen Lernfortschritt und einer Prognose zum Lernerfolg. Mittels adaptiver Lernsysteme kann eine Anpassung der Lernsituation entsprechend dem Bedarf des Studierenden erfolgen. Besonderes Potenzial besitzt der Einsatz von Learning Analytics hinsichtlich der Revision verwendeter Lernmaterialien, etwa indem die Klickraten für einzelne über ein Lernmanagementsystem bereitgestellte Materialien ausgewertet werden. (S.67-68, Potenzial, TAB-Arbeitsbericht) Dozierende erhalten so die Möglichkeit, zu prüfen, ob ihre Lehrmaterialien geeignet sind und können entscheiden, ob diese zukünftig weiterverwendet werden sollen.

Hochschulen hätten mittels Learning Analytics die Chance eine Erfolgsmessung bei Lehrveranstaltungen und Studiengängen durchführen und so ihre Attraktivität auf dem Markt zu steigern indem sie spezifisch auf die Bedürfnisse und Interessen der Studierenden eingehen.

 

 

Der Multichannel- / Freemium Ansatz | Blended learning

Der Blick richtet sich wieder in Richtung Privatwirtschaft. Wie kann ein möglichst grosses Marktpotenzial ausgeschöpft werden, ohne dabei eine bestimmte Kundengruppe zu vernachlässigen. Die Frage wird wie im Titel angedeutet auf zwei Ebenen unterteilt, dem Angebotskanal und der Angebotstiefe. Diese hängen unmittelbar zusammen und variieren je nach Auswahl des Interessenten. Zur Verdeutlichung, beim Kanal spricht man von einem Mix aus klassischem, leicht angepassten Unterricht vor Ort mit physischer Präsenz der Dozenten und Studierenden und dem Onlinekanal, analog des beschriebenen E-Leaning Innovation Centers. Also der Art wie und wo Lerninhalte konsumiert werden können. Bei der Angebotstiefe bestünde die Möglichkeit ein unterschiedliches Preismodell einzuführen für die Art, wie intensiv das Angebot der Hochschule ausgeschöpft werden möchte. Beispielsweise nach der Tiefe des Angebots oder nach Ausschöpfung der vorhandenen Ressourcen.

Entscheidet sich ein Student zum Beispiel dafür, rein Onlineinhalte zu beziehen, für welche nahezu keine weiteren Aufwände seitens des Angebotgebers notwendig sind, so befindet er sich in der tiefsten Preis- oder Kostenklasse. Diese sollte sich in einem Rahmen befinden, in welcher keine Volksschicht ausgeschlossen wird, also auch Jugendliche aus armen Verhältnissen könnten sich hier sorglos engagieren. Die Zertifizierung für einen solchen Studiengang könnte wie im Teil 2/3 zuvor erwähnt entsprechend angepasst werden, zur vollen Transparenz. Für Studenten die nach wie vor einen Teil des Lernstoffes über klassischen Unterricht beziehen wollen, auch wenn nur punktuell oder in Form eines Packages, besteht die Upgrade Variante vom Einsteigerpacket zum Premiumangebot, welches preislich höher angesiedelt ist zur Deckung der Fixkosten, wie der Entlöhnung der Dozenten und der Bereitstellung von Räumlichkeiten. Auch hier bestünde Spielraum zur Ausarbeitung weiterer Modelle, so vielleicht für eine Mastermindgruppe. Ein Exklusivpacket mit der Option zur intensiven Zusammenarbeit mit Experten und Premiuminhalten, Exkursen und gemeinsamen Projekten in der Realwelt. Letzteres wird auch als Blended Learning bezeichnet. Diese Lehrmethode ermöglicht die zeitaufwändige und ortsgebundene Anwesenheit an Hochschulen zu reduzieren und so eine Work-Life-Balance mit einem hohen Mass an Flexibilität für Studierenden zu schaffen. Dieses Modell ist somit speziell für Studierende im Teilzeitpensum attraktiv. (S.68, Teaching Trends 2016)

 

Studentin liest e-book

 

Flipped Classroom

Flipped Classroom ist eine Ausprägung des Blended Learnings. Der Begriff bezeichnet die Methode des gedrehten Unterrichts. Konkret bedeutet dies, dass inhaltlich der Präsenzunterricht und das Selbststudium getauscht und der Unterricht somit gedreht wird. Mittels Skripten und Videos sollen die Studierenden so den theoretischen Input im Selbststudium aufarbeiten, der Präsenzunterricht dient anschliessend ausschliesslich zur Vertiefung der Materie durch Diskussionen und Aufgaben. Die Wissensvermittlung findet somit individuell statt. Ziel dieser Methode ist es, dass die Studierenden sich in Eigenverantwortung mit den Lerninhalten auseinandersetzen und so aktiv lernen, anstatt sich in Vorlesungen lediglich berauschen zu lassen.  (S.69, Teaching Trends)

Sowohl Blended Learning als auch Flipped Classroom weisen den Negativaspekt auf, dass die soziale Interaktion mit Kommilitonen leidet und somit auch eine Gruppendynamik selten präsent ist. (https://journals.sagepub.com/doi/10.2304/plat.2013.12.2.196) Eine weitere Herausforderung des Flipped Classrooms ist der zu leistende Arbeitsaufwand, welcher mit der Erstellung von Aufzeichnungen verbunden ist. Es existieren zwar viele Werkzeuge zur Unterstützung, jedoch schreckt eine Vielzahl der Dozierenden bei der Aufzeichnung der eigenen Lehrveranstaltung zurück. (S.191, Potenziale, TAB-Arbeitsbericht)

 

Co-Working und Open Space

Statt den vorhanden Raum mehrheitlich für geschlossenen Unterricht auszulegen, wäre für den Grossteil der Studenten, welche sich auf die E-Learning Module konzentrieren, ein offener Co-Working Space die Idealform für den generischen Austausch. Ein Ort der Inspiration und ausgelegt dafür kreativ denken und arbeiten zu können. Gespickt mit Sitzungsräumen, Whiteboards, Büroutensilien, Präsentationsplattformen und Bühnen. Hier entsteht eine gewisse Abhängigkeit von der Örtlichkeit, da bei internationaler Expansion auf Partnerschaften mit anderen Bildungsinstitutionen gesetzt werden müsste, um den Qualitätsstandard und den Benchmark für das Angebot auszugleichen.

 

Co-Working Space

 

Livestream

Ebenfalls im Mulitchannel Angebot angesiedelt wäre der Livestream Unterricht. Eine Mischform zwischen dem digitalen und analogen Kanal, potenziell auch als Upgrade buchbar im Pricing Modell und bezugnehmend auf den Freemium Ansatz. Dabei werden vereinzelte Module aus dem Klassenzimmer live gestreamt in die ganze Welt hinaus. Eine weitere Form ortsunabhängig skalieren zu können und die User Experience hoch zu halten.

 

Virtuelle Klassenzimmer

Virtuelle Klassenzimmer sind Online-Räume, die für das Lernen konzipiert wurden. Meist sind sie Teil eines Lernmanagementsystems. Sie ermöglichen einen Live-Unterricht, entweder für einzelne Studierende oder für Gruppen. Dazu gehören Live-Video- und Audio-Streaming-Funktionen, ein interaktives Whiteboard oder das Teilen der Desktopansicht, um Lernmaterial mit Kommilitonen auszutauschen. Zusätzlich dazu kann ein virtuelles Klassenzimmer noch weitere Features enthalten.

Die meisten virtuellen Klassenzimmer sind Cloud basiert, das bedeutet, dass weder Studierende noch Dozierende etwas auf ihren eigenen Computer herunterladen müssen, um Teil eines solchen Klassenzimmers zu werden. Virtuelle Klassenzimmer bieten den Vorteil, dass sie optimalerweise Multi-Device-fähig sind und somit ideal für Studierende, die nebst dem Studium noch Verpflichtungen wie einer beruflichen Tätigkeit nachgehen müssen.

Die Vielfalt der Funktionalitäten dieser Lehrmethode können abhängig von der Intensität der Nutzung und des Einsatzes variieren. Fester Bestandteil von virtuellen Klassenzimmer sind in der Regel das Teilen von Videovorträgen mit der Klasse, die Verwendung von Live-Chats, das Teilen von Lernaktivitäten zur Steigerung der Motivation anderer sowie das Integrieren sofortiger Feedbacks.(Quelle: https://www.cae.net/what-is-virtual-classroom-and-how-to-use-them-effectively/) Letzteres könnte sehr gut mit E-Assessments im Lernmanagementsystem kombiniert werden.

Bei virtuellen Klassenzimmern findet sogenannter synchroner Fernunterricht statt. Das Hauptziel ist es den Präsenzunterricht mit solchen Lektionen weitgehend zu ersetzen. Anders als beim Blended Learning und dem Flipped Classroom wird bei dieser Lehrmethode die Gruppendynamik gefördert in dem ortsunabhängige Lerngemeinschaften gebildet werden können, was zugleich auch die Motivation der einzelnen Studierenden steigert. Diese Zusammenarbeit führt zu einer erhöhten Effizienz des Lernprozesses sowie einer Entwicklung der sozialen Kompetenzen der Studierenden.

Durch virtuelle Klassenzimmer können die Grenzen des traditionellen Unterrichts überschritten werden. Im Laufe der Zeit und bei wiederholter Durchführung der Module, wird sich der Arbeitsaufwand bei Dozierenden markant verringern, dies ermöglicht ihnen gezielter auf die Bedürfnisse der Studierenden einzugehen und den Unterricht noch individueller zu gestalten. (S.944-946, The Future of Virtual Classroom: Using Existing Features to Move Beyond Traditional Classroom Limitations, 2018_Book_InteractiveMobileCommunication)

 

video streaming

 

Aktuelle Substitutionsprodukte- und Kanäle

In Kollaboration mit renommierten Universitäten wie Stanford und Harvard bieten Plattformen wie Coursera und EdX englischsprachige online Kurse zu diversen Schwerpunktthemen an. (https://www.edx.org/ und https://blog.coursera.org/about/) Da die Zusammenarbeit hier jedoch augenscheinlich meist ausschliesslich mit Universitäten stattfindet, bleibt die Frage offen, ob die Kurse auch das gewünschte Fachwissen vermitteln, welches an Hochschulen verlangt wird oder ob sie lediglich theoretischen Input bieten.

 

Udemy, Udacity, AZEK und co.

Lernplattformen sind keine Neuerfindungen mehr. Viele Anbieter konnten in den letzten 5 Jahren beachtliche Marktanteile für sich gewinnen. Die Nachfrage weisst ein klares Wachstum aus und das Zusammenspiel von qualitativ hochwertigen Inhalten und Nutzerfreundlichkeit wird in Zukunft zeigen, wer sich langfristig durchsetzen kann. Anbieter wie Udemy, Udacity oder etwa AZEK aus der Schweiz bilden hierfür eine Vorbildfunktion. Nach dem Abonnement Modell können sich Nutzer unabhängig ihres Backrounds anmelden und für einen Preis von CHF 13.- komplette Kurse buchen die darauf abzielen, spezifisch auf ein gewünschtes Gebiet einzugehen. So zum Beispiel ein Web Developer Course 2.0 von Udemy, der sich in 1-10 minütige Teilvideos aufsplittet. Der Nutzer kann somit bequem von Kurs zu Kurs switchen, ohne dabei in Eile oder unterfordert zu sein. Wenn ihm ein bereits abgeschlossenes Thema nicht mehr präsent sein sollte, kann er dies ganz einfach wiederholen durch die Replay Funktion. Solche Ausbildungen zielen auf ein hohes Skill-Level ab, geniessen allerdings nur vereinzelt internationale bzw. institutionsübergreifende Akkreditierungen in Form von Nanodegrees, welche in ECTS umgewandelt werden können. Allerdings ist absehbar, dass genau solche Abschlüsse in Zukunft breitflächiger akzeptiert werden um konkurrenzfähig zu bleiben. Alternativ wäre zudem AZEK als Beispiel auf dem Schweizer Markt vorhanden. Die AZEK Academy bildet Interessenten im Finanzwesen aus. Dies funktioniert ebenfalls mittels einer E-Learning Plattform, für welche man sich via Online Formular anmelden kann, ohne dabei in Kontakt mit Lehrpersonen oder Verwaltungen treten zu müssen. Anschliessend erhält man Zugriff auf sämtliche Inhalte, kann diese individuell abarbeiten und für den Abschluss wird schliesslich halbjährlich eine Ankündigungsmail geschickt mit den Prüfungsterminen, für welche man sich ebenfalls online anmelden und diese dann vor Ort ablegen kann. Im Gegensatz zu Udemy oder Udacity bietet die AZEK international ankerkannte Zertifizierungen bei erfolgreich abgelegten Prüfungen, wie etwa den AWM Titel (Association of Wealth Manager).

Andere Modelle sind etwa von Startups zu sehen, welche Abschlüsse auf Bachelor- oder Master Niveau anbieten, die Preisgestaltung aber nach dem Netflix – Modell ausgerichtet haben. Dabei wird ein monatlicher Pauschalbetrag fällig, welcher es anschliessend zulässt, sich unabhängig von der thematischen Ausrichtung am gesamten Angebot zu bedienen. Im Endeffekt bedeutet dies, dass ein Bachelor Abschluss in Betriebswirtschaft für umgerechnet insgesamt CHF 500.- absolviert werden kann, genauso gut aber auch für CHF 5000.- insofern der Student etwas länger benötigt für die Bewältigung der Tests.

 

Videoportale

Als weiteren Kanal etablieren sich von Zeit zu Zeit Videostreaming Plattformen wie Youtube oder zukünftig vielleicht auch Netflix. Ein beliebter Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum ist etwa The simpleclub. (Quelle: simpleclub business – Die Lernapp für Ihre Azubis – 2019) Kostenfrei werden hierbei Inhalte publiziert, welche teilweise pro Video über 1 Mio Views verzeichnen. Die Erfolgsstrategie hierbei drückt sich hingegen durch die Vermittlung der Inhalte aus. Statt strikt akademisch vorzugehen und sich dem klassischen Expertenjargon zu bedienen, liegt der Fokus bei diesem Format in der Einfachheit der vermittelten Inhalte. Stehts mit einem humoristischen Touch untermalt, werden die Themen ebenfalls in 3-10min Videos abgehandelt und auf möglichst verständlichstem Wege vermittelt. Die steigende Zahl der Abonnemente, sowie die überwiegend positive Rückmeldungsquote in den Kommentaren und Bewertungen bestätigen das Erfolgsrezept solcher Methoden.

 

Privatkurse

Eine weitere Art der Wissensvermittlung setzte sich mit dem Aufschwung von Social Media durch. Und zwar durch Angebote selbstausgewiesener Experten, die Ihr Wissen über eigens kreierte Kurse oder Live-Events preisgeben. Ein interessanter Aspekt birgt sich hierbei vorallem in der Praxisnähe. In wie fern die Moderatoren und Speaker solcher Angebote wirklich erfolgreich waren, muss jeder Interessent selber prüfen. Insofern dies aber nachweislich bewiesen werden kann, liegt die Stärke dieser Wissensvermittlung in der Anwendbarkeit im Berufsalltag. Da das Konzept offensichtlich bereits funktionierte, können neue Interessenten dies für sich solange adaptieren, bis der Markt ausgeschöpft scheint.

 

Funnel zur Digital University

 

Fazit

Rückschliessend auf sämtlich besprochene Methoden muss klar gesagt werden, dass nur eine auf die Institution abgestimmte Zusammenstellung wirklich sinnhaft erscheint. Das Abwägen von Aufwand und Ertrag in einem detaillierten Finanzplan, wird die nächsten Erkenntnisse für eine Entscheidung massgeblich beeinflussen. Gerade weil es sich bei den meisten Hochschulen um fest verankerte Abläufe handelt, die während Jahrzenten ähnlich gepflegt wurden, gleicht eine solche Umstellung einer Goliat Aufgabe. Die Herausforderung liegt also darin, den Grad zwischen Verantwortung und Verbindlichkeit, gegenüber der freien Unterrichts- und Modulgestaltung zu finden, um trotz neuer Innovationen keine Reputationsrisiken einzugehen. Denn Expansion und Skalierbarkeit funktionieren nur so lange, wie das Angebot seine Versprechen hält und einen entsprechenden Ruf geniesst. Ist dieser erst einmal angeschlagen, ist es äusserst schwierig sich wieder davon zu erholen und sich neu zu formatieren. Im Endeffekt muss also der Qualitätsanspruch stets höhere Priorität geniessen, als die Geschwindigkeit, um nachhaltig wachsen und im Markt bestehen zu können.

Diverse Statistiken zeigen, dass bei der Anwendung von unabhängigen Kursen und der Auslagerung der 100%-igen Verantwortung zum Nutzer, ebenso die Durchfallquote massiv höher ist als bei bekömmlichen Studiengängen. Das Pflichtbewusstsein wird demnach noch stärker vorausgesetzt und es bleibt der Hochschule überlassen, ob eine solche Expansionsstrategie mit dem Leitbild vereinbar ist. Gerade weil damit eine Staatsaufgabe in Verbindung gesetzt wird und das resultierende Niveau an Abgängern, welche auf den Arbeitsmarkt geschickt werden entscheidet, wie sich eine Nation positionieren kann auf dem Wirtschaftsmarkt. Letzteres bildet den nächsten Punkt den es zu bewältigen gilt: Als öffentliche Institutionen sind den meisten Hochschulen strikte Rahmenbedingungen gesetzt. Bei einer solch massiven Umgestaltung und Erweiterung des Bildungssystems, bei welchem weitere finanzielle Ressourcen frei gemacht werden müssen, ist auch der politische Weg zu bestreiten. Von Kanton- bis hin auf Bundesebene, müssen beispielweise die rechtlichen Grundlagen des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) eingehalten werden, die Departemente müssen ihre Führstimmen sprechen und ein Abstimmungsprozedere ist demnach unumgänglich, bevor Subventionen in einer derartigen Grössenordnung überhaupt fliessen können.

Da es sich dabei allerdings ohnehin nicht um eine kurzfristige Implementierung während eines Jahres handelt, sondern vielmehr der langfristige Approach avisiert wird, ist jetzt der Momente solche Gedanken aufzugreifen, abzuwägen und den ersten Schritt in Gang zu setzen.

 

Businessmodel

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